DIE ERSTEN 20 JAHRE

KEIMZELLE KELLER

Hauptstädte sind Keimzellen für große kulturelle Bewegungen. Von Paris schwappte die Nouvelle Vague über, aus Kopenhagen der Minimalismus. Berlin brachte den Expressionismus in die Welt, London Punk und Britpop.

Und Bern so? Mani Matter, Erich Hänzi. Dann lange nichts. Wollen wir uns vor diesem Hintergrund nicht lieber wieder hinlegen?

Au contraire: In der unteren Altstadt existierte bereits in der zweiten Nullerhälfte ein Ort Namens Sous Soul. Ein heller und warmer Zwergstaat im Gewölbekeller. Ein inklusiver Ort der Kongregation, an dem Liberale und Konservative, Atheistinnen und Orthodoxe,Hipster und Boomerinnen sich kontrovers battlen, um sich anschließend die Hände zu reichen.

Das alte Sous Soul war ein gigantischer kreativer Indoorspielplatz der Popkultur. Im Sous Soul konnte man an ganz normalen Dienstagabenden Schauspielerinnen erleben, die Talkshows moderieren, Schriftsteller die über Fußball schreiben und Musikerinnen, die für Gäste kochen. Nur über das, was Köche taten, muss der Vorsicht halber ein soundgeproofter Mantel des Schweigens liegen.

Für einige Jahre atmete das Sous Soul den warmen Wind von Liebe und Freiheit, und glitt anmutig und stark durch die Wogen des Ozeans der urbanen Kultur. Nichts, so mochte man glauben, konnte es stoppen. Doch dann kam Frou Müller.

DIE UNTERGRUND - JAHRE

Der Spirit des SOUS SOUL war nun einmal in der Welt und er breitet sich in den subkutanen Adern der Stadt weiter aus. Ohne einen Ort zu brauchen. Er manifestiert sich über Jahre in Gesprächen und Ideen - im Les Amis, in der „Bar der toten Tiere“ oder in der „too late show.“

EXKLAVISCHE UTOPIEN

Und dann - nicht als Revival - mehr als Séance - das Ghost Festival: Ein flirrender Aktliebevoller Anarchie. Wie das Sous Soul – ohne Mauern, ohne Keller, ohne Genehmigungspflicht. Nur noch purer Geist. Und etwas Geld vielleicht. Ein Festival das keines ist und 1,2 Millionen Franken Erlös für Künstlerinnen und Künstler. Erneut lag der Charme im Nichts.

Mit Second Art wurden erneut die Barrieren der Hochkultur pulverisiert. 200 Berner Kunstschaffende überarbeiteten ebenso viele Gemälde, die die Initiatoren in Brockenstuben erstanden haben und verwandelten sie in etwas Neues. Second Art war die poetischste Form von Recycling: nicht aus Not, sondern aus Neugier– ein spielerischer Beweis, dass Kultur kein Sockel, sondern eine Baustelle ist.

ZURÜCK IN DEN KELLER

Als Anfang 2024 das Theater am Käfigturm seinen Betrieb einstellte, entstand ein für einen kurzen Moment ein Vakuum über der oberen Altstadt. Nicht wirklich gefährlich, aber doch so groß, dass die Sous Soul Epigonen den typischen Funken aus Anarchie, Naivität und Selbstüberschätzung spürten und nach wenigen Telefonaten und einigen Treffen die Würfel in einer sonderbaren Konstellation auf dem Tischlagen.

Man würde einen Club eröffnen. Er würde Sous Soul heißen. Man würde Risiken eingehen. Auf 11 Bühnen würden teils sequentiell, teils parallel Dinge passieren, von denen niemand so genau sagen können wohin das Alles führen wird. Im April 2025 öffnet das neue Sous Soul seine Türen. Es sind gleich drei große rote Türen, nur für den Fall, dass jemand eine Türe schließen möchte. Alles wieder unter der Erdoberfläche, subkulturell, farbig, kontrastreich, warm und inklusive.

Und mit dem alten und immer neuen bescheidenen Größenwahn.